Fachtag in Göttingen „Armut und Menschenwürde?“ Systemische Praxis in Zeiten sozialer Ungerechtigkeiten

FACHTAG in Göttingen: Armut und Menschenwürde? Systemische Praxis in Zeiten sozialer Ungerechtigkeiten

Flyer Fachtag 2019In vielen psychosozialen Beratungs- und Therapiekontexten gibt es mittlerweile Berührungspunkte mit den Themen Hartz IV, Armut oder Tafeln. Die Schere der sozialen Gerechtigkeit scheint sich – trotz dauerhaft stabiler Konjunktur – immer weiter zu öffnen und mittlerweile hat sich der Kreis der »Betroffenen« weit in die sog. Mittelschicht hinein erweitert.

Daraus erwachsen viele Herausforderungen auch und gerade für systemisch ausgebildete Kolleginnen und Kollegen, denn einige Grundsätze der inneren Haltung und des kontextuellen Handelns scheinen hier an Grenzen zu stoßen. Auf der einen Seite steht die fast tägliche Erfahrung, wie belastend, einschränkend und diskriminierend Menschen häufig Erwerbslosigkeit oder dauerhaften Leistungsbezug erleben, die die Selbstachtung und Würde berühren und häufig mit Scham, Trauer oder sogar traumatischem Erleben verbunden sind. Gleichzeitig wächst bei vielen Beraterinnen und Beratern die eigene Empfindung, Teil eines Reparaturbetriebes oder eines Sanktionierungsapparates zu sein, die zu Gefühlen der Ohnmacht, der Wut oder zur Überidentifikation mit dem Auftrag des Arbeitgebers führen kann.

Der vom Sobi (Sozialpädagogisches Bildungswerk e. V., Münster) in Kooperation mit Vandenhoeck & Ruprecht Verlage in Göttingen geplante DGSF-Fachtag möchte Gelegenheiten schaffen, sich mit einigen Aspekten dieses Themenkomplexes näher zu beschäftigen.

Für den Hauptvortrag und einen Workshop haben wir die Buchautorin, Mitgründerin der Fachgruppe »Armut – Menschenwürde – Gerechtigkeit« und Vorstandsmitglied der DGSF (Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie e. V.) Tanja Kuhnert gewinnen können.

Prof. Dr. Ingo Zimmermann vom Sobi (Arbeit mit »unfreiwilligen« Klientinnen und Klienten), Dr. Brigitte Gemeinhardt (Armut und Resilienz) sowie die stellvertretende Regionalsprecherin der DGSF für Göttingen und Resilienz-Coach Ines Polzin (Selbstfürsorge) runden das interessante Angebot dieses Fachtages ab.

Durch das Programm führen der Ausbildungsleiter des Sobi in Göttingen, Horst Balmer, und Günter Presting von Vandenhoeck & Ruprecht Verlage.

 

Programm am 22. März 2019

10:00h Begrüßung

10:15h Hauptvortrag: „Leben in Hartz IV – Armut und Menschenwürde“ Tanja Kuhnert

11:45h Parallelworkshops:
Workshop I
Prof. Dr. Ingo Zimmermann: „Systemische Arbeit mit „unfreiwilligen“ / „unmotivierten“ Klienten

Workshop II
Dr. Brigitte Gemeinhardt: „Armut und Resilienz - eine kompetenzorientierte Perspektive“

14:45h Parallelworkshops
Workshop III
Tanja Kuhnert: „Schamkreisläufe, Trauerphasen und Stress“

Workshop IV
Ines Polzin: „Selbstfürsorge in Sozialer Arbeit und Zwangskontexten“

16:30h Podiumsdiskussion und Abschluss

Änderungen vorbehalten

 

Details zu den Workshops

Workshop I: Arbeit mit »unfreiwilligen« Klientinnen und Klienten

Ingo Zimmermann
Diplom-Pädagoge, Gesundheitswissenschaftler, Systemischer Therapeut und Lehrtherapeut (DGSF), Systemischer Coach und Lehrcoach (DCV), Supervisor und Lehrsupervisor (IFS, DGSv), Mediator (DGM).

In Armut lebende Menschen sind für ihre Grundversorgung in der Regel auf den Kontakt mit Hilfesystemen angewiesen, die als Grundlage für Entscheidungen die Offenlegung persönlichster Daten voraussetzen und bei Nichtbefolgung der vom Gesetzgeber definierten Forderungen über ein beeindruckendes Sanktionierungssystem verfügen. Der Kontakt mit diesen Hilfesystemen wird von den Menschen daher oftmals als »verordnet« oder als Zwang erlebt. Auf der anderen Seite sind Beraterinnen und Berater, die am liebsten mit motivierten Klientinnen und Klienten gemeinsam nach guten Lösungen suchen möchten, mit »unfreiwilligen« und entsprechend »unmotivierten« Klientinnen und Klienten konfrontiert. In diesem Workshop sollen Ideen vermittelt werden, wie professionelle (nicht nur) systemische Helferinnen und Helfer in Zwangskontexten konstruktiv mit Menschen arbeiten können, die von sich aus anscheinend kein eigenes Anliegen mitbringen.

Workshop II: Armut und Resilienz – eine kompetenzorientierte Perspektive

Brigitte Gemeinhardt
Diplom-Psychologin, Psychologische Psychotherapeutin, Systemische Lehrtherapeutin (DGSF, SG) und Lehrsupervisorin (SG), Leiterin des Ausbildungsinstituts für Systemische und Verhaltenstherapie Nord (ASVN).

Der Begriff der Resilienz deutet auf die Fähigkeit, mit belastenden Lebensereignissen gesund umgehen zu können. Die Orientierung an eigenen Kompetenzen ist einer der wesentlichen Wirkfaktoren. In der Arbeit mit Kindern und Familien, die an der Armutsgrenze leben, stellt sich dabei in besonderer Weise die Frage: Wie gedeihen trotz widriger Umstände?

Nach einer theoretischen Darstellung der Wirkfaktoren besteht die Möglichkeit, in einer »supervisorischen Diskussion« der Frage nachzugehen, wie dieses Konzept in die Arbeitsbereiche der Teilnehmerinnen und Teilnehmer integriert werden kann.

Workshop III: Armut und Menschenwürde? – Systemische Praxis in Zeiten sozialer Ungerechtigkeiten

Tanja Kuhnert
Diplom-Sozialarbeiterin, M. A. in Management von Gesundheits- und Sozialeinrichtungen, Systemisch-lösungsorientierte Beraterin (DGSF/SG/DGfB), Systemische Therapeutin und Lehrtherapeutin (DGSF), Familientherapeutin (DGSF/SG), Traumatherapeutin (PITT), Coachin (DGSF) und Gesundheits-Coachin (Wisl), Supervisorin (DGSF), Organisationsberaterin, Mitglied des DGSF-Vorstands.

In dem Workshop sollen Anstöße aus dem Vortrag vom Vormittag weiter vertieft werden. Der Ansatz der lösungsorientierten Arbeit ist in der systemischen Beratung und Begleitung weit verbreitet. Es stellt sich aber die Frage, inwieweit dieser im Kontext Armut neu gedacht werden muss. Zunächst stellt Tanja Kuhnert ihr Konzept vor, im Anschluss bietet sich für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Gelegenheit, eigene Ansätze zu diskutieren und zu entwickeln.

Workshop IV: Selbstfürsorge in Sozialer Arbeit und Zwangskontexten

Ines Polzin
Diplom-Pädagogin, Systemische Therapeutin und Beraterin (DGSF), stellvertretende Sprecherin der Regionalgruppe Göttingen der DGSF, Resilienz-Coach & Trainerin, Zertifizierte Mediatorin (ZMediatAusbV).

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet ein inspirierender kurzweiliger Input mit aktivierenden Sequenzen: Sie lernen das dynamische Resilienzmodell des Resilienzzentrums Osnabrück kennen und erfahren, wie der Gesundheit zuträgliche Schutzfaktoren ineinandergreifen und sich beeinflussen. Das Potential des Modells, sich in komplexen herausfordernden Kontexten selbst im Blick zu behalten und sich zu stärken, wird durch Praxisbezüge verdeutlicht. Ein kleiner Ausflug in das Gebiet der »organisationellen Resilienz« rundet das Thema ab.

 

Vandenhoeck & Ruprecht Verlage

VERLAGE VR BOEHLAU LogoSeit 1735 publiziert Vandenhoeck & Ruprecht in Göttingen wissenschaftliche Literatur und gehört damit weltweit zu den ältesten konzernunabhängigen Verlagshäusern. Seit 2017 ergänzt der traditionsreiche Böhlau Verlag mit Standorten in Wien, Köln und Weimar die Marken der Unternehmensgruppe. Das Portfolio der Verlage umfasst geisteswissenschaftliche Medienprodukte sowie auch ein umfangreiches und qualitativ hochwertiges Angebot für Psychologie, Kirche und Bildungseinrichtungen in unterschiedlichen Print- und Online-Formaten.

Ihre Ansprechpartnerin für den Bereich Systemische Therapie und Beratung:
Günter Presting
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! • Robert-Bosch-Breite 6 • 37079 Göttingen

 

Sobi Münster

Logo sobi Münster GöttingenSeit 40 Jahren ist das Sobi ein Ort für berufliche und persönliche Weiterbildung. Unsere Aus- und Fortbildungen konzipieren wir vor allem für Menschen in sozialen und therapeutischen Berufsfeldern und für solche, die in Gesundheitsberufen, in der Pädagogik und im musischen Bereich tätig sind.

Wir bringen in Bewegung

Unser Anliegen ist es, Menschen darin zu unterstützen, körperlich, geistig und seelisch beweglich zu bleiben und sich für neue (berufliche) Wege und Ideen zu öffnen, wenn die alten nicht mehr geeignet sind. Unser Anspruch spiegelt sich in unserem Programm wider: Hier finden Sie jedes Jahr neue, teils noch unbekannte Methoden, kreative Techniken und Ideen, »um die Anzahl der Möglichkeiten zu erhöhen« (Heinz v. Foerster, Kybernetiker und Konstruktivist).

Geprüfte Qualität

Die Qualität des Sozialpädagogischen Bildungswerks ist durch den Gütesiegelverbund Weiterbildung zertifiziert. Das Sobi ist ein gemeinnütziger Verein und anerkannter freier Träger der Erwachsenenbildung, gefördert nach dem Weiterbildungsgesetz NRW. Freie Trägerschaft bedeutet, dass wir keiner bestimmten Verbands- oder Parteimeinung oder Konfession verpflichtet sind.

Systemische Ausbildung im Sobi

Seit über 10 Jahren hat sich das Sobi regional und überregional einen Namen für seine Fortbildungen »Systemische Beratung und Therapie« gemacht, seit 2012 als DGSF-akkreditiertes Institut. Das Sobi bietet die berufliche Weiterbildung mittlerweile sowohl in Münster als auch in Göttingen an. Neben drei Ausbildungsleiter*innen unterrichten acht Dozent*innen, die allesamt Expert*innen in ihrem jeweiligen Beratungsgebiet sind.

Es starten laufend neue Kurse zur Systemischen Beratung an beiden Standorten.

 

Organisatorisches

Termin: Fr 22.3.19 | 10.00-18.00h | 8 Ustd

Kosten: 95 €/85 € (erm. Gebühr für DGSF-Mitglieder)

Anmeldeschluss: 28.01.19

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